Die Bewohner von Sennelager gehörten ursprünglich zur Pfarrgemeinde Schloß Neuhaus. Sie mussten weite Wege – teilweise zu Fuß – zurücklegen, um den Gottesdienst in Schloß Neuhaus zu besuchen. Im Jahre 1920 gelang es den Anwohnern von Sennelager im Hohenzollernhaus, dem heutigen Haus Heilandsfriede, an jedem Sonn- und Feiertag einen Gottesdienst einzurichten. Die 1. heilige Messe wurde am 19. Januar 1920 gefeiert. Die Salvatorianer kauften das Haus Hohenzollern und übernahmen außer den Gottesdiensten auch Taufen, Trauungen und Beerdigungen. Der Wunsch nach einer eigenen Gemeinde wurde laut.

Am 27. Juni 1924 wurde mit bischöflicher Urkunde die Filialgemeinde Sennelager gegründet. Erster Pfarrvikar wurde ein Salvatorianer: Pater Agathon Boisai. Zur Pfarrgemeinde gehörten 738 Katholiken. Ende 1924 wurde Pater Ansbert Schilp mit der Seelsorge in Sennelager betraut. Er hat sich besonders um den Aufbau des kirchlichen Vereinswesens verdient gemacht. 1933 kam Pater Theodul Loew als neuer Seelsorger nach Sennelager. Noch hatte die Gemeinde kein eigenes Gotteshaus. Der Gottesdienst wurde bis zum 17. Januar 1940 in der Klosterkapelle gehalten. An diesem Tage vertrieben die Nationalsozialisten die Patres und beschlagnahmten das Kloster. Die Pfarrgemeinde wurde schwer getroffen. Sie verlor Gottesdienstraum und Seelsorger und erlebte diasporaähnliche Verhältnisse. Zunächst wurde die Seelsorge von Schloß Neuhaus mit übernommen, dann kam ein neuer Pfarrvikar: Albert Peters. Die Sonntagsmesse wurde im Saal Hense gefeiert. Der Geistliche musste das Allerheiligste in seiner Privatwohnung aufbewahren. Werktags versammelte man sich in einer Notkapelle auf dem Küllhof zur heiligen Messe.

Am 28. September 1940 war die Grundsteinlegung der Barackenkirche, die dann unter großem Einsatz vieler Gemeindemitglieder an der Sander Straße (heute: Tischlerei Wecker, Sennelager Straße) errichtet wurde. Sie hatte schon im 1. Weltkrieg als Lagerkirche für französische Kriegsgefangene gedient und war anschließend erster Gottesdienstraum für die Bonifatiusgemeinde in Paderborn – Stadtheide.

Weihnachten 1940 konnten die Gläubigen von Sennelager dann den ersten Gottesdienst in der Barackenkirche feiern, die nun für zwei Jahrzehnte Gotteshaus der St. Michael Gemeinde wurde. Im Jahre 1945, nach Kriegsende, erhielten die Salvatorianer Haus Heilandsfriede zurück und übernahmen wieder die Seelsorge, mit der zunächst Pater Roland Schöneborn beauftragt wurde. 1948 folgte Pater Alexius Purrio und 1953 Pater Leander Müller. Zu diesem Zeitpunkt plante man den Bau eines neuen Gotteshauses für die stark gewachsene Gemeinde, was mit einigen Schwierigkeiten verbunden war.

Am 14. Juni 1956 tat der H. H. Erzbischof Lorenz Jaeger den ersten Spatenstich. Als neuer Pfarrvikar kam in diesem Jahr Pater Otmar Kosels. Sein Nachfolger wurde 1957 Pater Ewald Wegener, dem die Gemeinde zu großem Dank verpflichtet war für seine unermüdliche Tatkraft, mit der er den Kirchenneubau vorangebracht hat. Am 17. August 1958 konnte der Grundstein gelegt werden und schon am 7. November des gleichen Jahres wurde Richtfest gefeiert. Alle Gläubigen waren erfreut, als am 9. Mai 1959 der H. H. Erzbischof die neue Kirche weihen konnte.

Schon bald darauf begann man mit dem Bau eines neuen Pfarrheimes mit Kindergarten. Die ersten Kinder konnten am 15. Februar 1962 bei der Eröffnung einziehen, und am 2. Mai war die Einweihung des gesamten Pfarrheimes.

Am 27. September 1967 wurde der erste Pfarrgemeinderat gewählt. Pater Ewald Wegener, der 12 Jahre die Gemeinde betreut hat, wurde zum 1. November nach Klausheide versetzt. Sein Nachfolger wurde Pater Wilfried Wieneke. Unter seiner Leitung wurde 1970 die erste Sternsingeraktion und der regelmäßige Altentag organisiert. Pater Ewald Wegener verstarb am 9. Juni 1970. Er wurde auf dem Friedhof in Sennelager zur letzten Ruhe gebettet. Dies hatte er beim Abschied aus Sennelager so gewünscht.

Das 50 jährige Jubiläum der Pfarrvikarie St. Michael wurde mit einer Festwoche begangen vom 22. – 28. September 1974. Eingeladen waren alle Priester und Ordensleute aus der Gemeinde, alle ehemaligen Seelsorger und Gemeindemitglieder. Ende 1974 gehören 3560 Katholiken zur Pfarrgemeinde. Am 13. September 1975 versammelte sich die Gemeinde zum ersten Pfarrfest auf dem Schützenplatz. Am 24. Juni 1977 wurde im Hohen Dom zu Köln Pater Bruno Mersch zum Priester geweiht; der erste Priester, der aus Sennelager hervorgegangen ist. Am 10 Juli feierte er seine Heimatprimiz zur Freude der ganzen Gemeinde. Am 12. Oktober 1978 verabschiedete die Gemeinde ihren langjährigen Seelsorger Pater Wilfried Wieneke. Als neuer Pfarrvikar wurde Pater Andreas Mühl am 22. Oktober in Sennelager eingeführt. Er konnte aber nur zweieinhalb Jahre in Sennelager tätig sein, weil die Salvatorianer die Pfarrstelle an das Erzbistum Paderborn zurückgaben. Grund dafür war wohl der fehlende Nachwuchs der Ordensgemeinschaft. Pater Andreas Mühl, der nach Hildesheim versetzt wurde, nahm am 3. Mai Abschied. Für ein paar Wochen war die Gemeinde ohne eigenen Priester. Die Seelsorge wurde wieder von den Geistlichen aus Schloß Neuhaus übernommen.

Am Fronleichnamsfest 1981 bekam Sennelager einen neuen Seelsorger: Pfarrer Ludwig Niehörster. Da nach dem Weggang der Salvatorianer-Patres die Pfarrvikarswohnung im Haus Heilandsfriede nicht mehr zur Verfügung stand, war es nötig geworden, ein eigenes Pfarrhaus mit Pfarrbüro zu bauen. Im Mai 1982 wurde mit dem Bau neben der Kirche begonnen. Am 5. September 1982 wurde unter großer Beteiligung der Gläubigen die renovierte Orgel im Rahmen einer kirchenmusikalischen Andacht geweiht.

Laut bischöflicher Urkunde wurde die Pfarrvikarie Sennelager mit dem 1. Januar 1983 zur Pfarrei erhoben. Pfarrer Niehörster wurde zunächst als Pfarrverweser bestimmt und am 1. April 1983 zum Pfarrer der Pfarrei St. Michael Sennelager ernannt. Ende April 1983 konnte der Pfarrer ins neue Pfarrhaus einziehen. Zur gleichen Zeit wurde auch das Pfarrbüro ins neue Pfarrhaus verlegt.

Der irchenbau Sankt Michael Sennelager

Der Baubeginn der Kirche Sankt Michael war 1958. Sie wurde von dem Architekt Dietrich aus Paderborn entworfen. Unter Absprache mit dem Kirchenvorstand wurde die damals üblich Architekturform, die Werkhalle Gottes, deren Architektur vom Funktionalismus bestimmt war, gewählt. Sie wurde zunächst für 304 Sitzplätze entworfen. Pater Ewald konnte eine Erweiterung von 90 Sitzplätzen erreichen, weil das Militär die Kirche auch besuchen sollte.

Die Grundsteinlegung war am 17. August 1958. Der Grundstein wurde von Josef Steffan gemeißelt, die Büchse mit Zeitdokumenten von Josef Peitz gefertigt und die Urkunde von Frau Piepenbreier geschrieben. Die Segnung nahm Prälat Lorenz Hennekes vor.

Bei der Finanzierung der Kirche half die ganze Gemeinde mit. Die Männer stifteten den Hochaltar, die Mütter, als Tabernakel des natürlichen Lebens, den Tabernakel, die Jugend das Kreuz und die Altarleuchter. Die Fenster wurden von einzelnen Gemeindemitgliedern gestiftet, außerdem die Keramikfiguren an der Chorwand, das Hauptportal und die einzelnen Kreuzwegstationen. Orgel und Glocken waren ein Patengeschenk der Bundeswehr.

Am 7. November 1958 wurde das Richtfest gefeiert. Am 9. Mai 1959 wurde die Kirche unter großer Beteiligung der Gemeinde durch den H. H. Erzbischof Kardinal Jäger eingeweiht. Die Gemeinde hatte sich durch eine religiöse Woche auf diesen großen Tag vorbereitet. Die Reliquien der Martyrer Gregorius und Orosius und des heiligen Diakons Titus wurden in den Altar eingemauert.

Die fünf Glocken von Sankt Michael:

Dreifaltigkeitsglocke (450 kg):
Ihr Gläubigen von nah und fern;
kehrt ein ins Haus des Herrn;
auf das ihr lobt und benedeit;
die heilige Dreifaltigkeit!

St. Josefsglocke (700 kg)
Als klingender Odem St. Josef geweiht;
läut ich im Leben und Todesstreit;
Auch der Heimat gefallenen Söhnen,
zu Dank und Ehren will ich tönen.
St. Hubertusglocke (1050 kg)
Schützen gaben mir das Leben,
St. Hubertus Ehr zu geben.
Auf dass der Bruderschaftspatron,
sie einstens preist vor Gottes Thron.

St. Marienglocke (1500 kg)
Marien Minne mich erschuf,
um ihre Huld und Lieb ich ruf.
Maria breit Deine Arme aus,
und segne jedes Senne-Haus.

St. Michaelglocke (2800 kg)
St. Michael bin ich benannt,
Schirmherr für Leut und Vaterland.
Ergreif Dein Schild und auch dein Schwert,
dass Fried für Kirch und Heimat sei gewährt.

Die Glocken wurden am 24. September 1959 im Beisein von 26 Männern aus dem Kirchenvorstand und des Kirchenbauvereins und des Pfarrvikars in Gescher an der holländischen Grenze gegossen. Während das Erz in die Form floß, stimmten die Männer das Te-Deum an. Leider misslang trotzdem eine Glocke, die nachgegossen werden musste. Die Glockenweihe fand am 29. November 1959 durch den Militärdekan Steger vom katholischen Militärbischofsamt, Bonn, statt. Die Orgel wurde von dem Orgelbauer Kleuker aus Brackwede gefertigt. Sie wurde am 13. Dezember 1959 eingeweiht. Es spielte zu ihrer Einweihung der Domorganist A. Schürmann aus Paderborn.