Überspringen zu Hauptinhalt
Katholische Pfarrei Heiliger Martin · Paderborn Schloß Neuhaus, Sande, Sennelager, Mastbruch · Impressum | Datenschutzerklärung 

Am 17. September ist der internationale Tag zur Beseitigung von Armut. Ob dieser Tag bewusst in der Woche stattfindet, in der das Evangelium von den Arbeitern im Weinberg steht?

Jesus erzählt, wie alle Arbeiter den selben Lohn bekommen, egal wie lange sie gearbeitet haben. Die bereits morgens angefangen haben, beschweren sich darüber, die anderen werden allesamt froh darüber gewesen sein das zu bekommen, was sie brauchen um sich und die Familie über Wasser zu halten. Denn der Lohn ist nicht überreichlich. Er entspricht dem Tagesbedarf einer Familie.

Seit Jahren ist das bedingungslose Grundeinkommen im politischen Gespräch Thema. Es wird darum gerungen und im nächsten Jahr soll eine Untersuchung gestartet werden. Die Bewerbungsfrist hat gerade begonnen.

Durch das Grundeinkommen – so die Idee – soll allen Menschen ermöglicht werden, am sozialen Leben teilzuhaben, egal ob sie als Arbeitnehmer ein Gehalt beziehen oder nicht. Die Armut soll damit bekämpft werden. Die Befürworter meinen, dass – wenn die Grundexistenz gesichert ist – neue Kräfte freigesetzt werden, sich in das Gemeinwesen einzubringen. Die Gegner sehen darin die Gefahr, das bislang Arbeitssuchende sich auf die buchstäbliche „faule Haut legen“ und einfach nur kassieren. Sicherlich würde es diese Fälle geben, aber ich persönlich bin davon überzeugt, dass der Mensch neben Geld auch das Gefühl braucht, gebraucht zu werden. Wahrscheinlich würden sich viele (ehrenamtlich) engagieren, wenn die Sorge um das tägliche Brot genommen ist. Und wie viele würden profitieren, die aus unterschiedlichsten Gründen arbeiten wollen, es aber nicht können? Kleine Initiativen ermöglichen schon heute das unbedingte Grundeinkommen. Es wird allein durch Spenden finanziert und offensichtlich klappt die Idee.

 

Egal wie die Diskussion und die Untersuchung um das unbedingte Grundeinkommen ausgeht: das Evangelium macht klar, dass es nicht um Leistung geht. Und das Gerechtigkeit Gottes mit einem anderen Maß gemessen wird: Seiner Güte.

 

Herzlichst Ihre Anja Fecke, Gemeindereferentin

 

Wie ER mir, so ich Dir!“ (Mt 18, 21-35)

Wie Du mir, so ich Dir! Diesen Spruch kennen wir alle. Im Evangelium von diesem Sonntag dreht Jesus mit seinem Gleichnis den Spruch etwas um und zeigt damit, wie das auch das menschliche Handeln verändern kann – auch heute noch. Denn in seiner Aussage, dass Petrus 77-mal vergeben soll und in dem Gleichnis des Mannes, dem der König zwar seine Schulden erlässt, der aber selbst seinem Schuldiger nicht seine Schulden erlässt, steckt die gesamte Aussage des Christentums und eine Anleitung, wie jeder Mensch das in seinem Leben umsetzen kann. Es beginnt mit der Beziehung zu Gott, also dem Gebet. Aber Ziel des Gebetes ist nicht (nur) das Lesen einiger Gebetstexte, der Vollzug von Ritualen, oder einer anderen der vielfältigen Gebetspraktiken, sondern das Ziel ist eine bestimmte Erkenntnis und ein Gefühl: Die Erkenntnis und das Gefühl, dass Gott jeden einzelnen von uns liebt. Seine Liebe zeigt er uns in etwas enorm Großen. Egal was wir Falsches tun: Er vergibt uns alles und dafür müssen wir nur eines tun: Mit ihm in Beziehung treten und uns bewusstwerden, dass er uns liebt! Um sich dieser (oft unvorstellbaren) Liebe Gottes bewusst zu werden, gibt es so viele Wege, wie es Menschen gibt. Zum Beispiel ist der einzige Sinn, dass wir gemeinsam Gottesdienst feiern, der, dass wir uns als Gemeinde Gottes Liebe bewusstwerden.

Sebastian Vieth (Praktikant aus dem Priesterseminar)

Sebastian Vieth (Praktikant aus dem Priesterseminar)

Aber damit ist das Gleichnis noch nicht vorbei und jetzt wird Jesus praktisch: Der König befiehlt seinem Knecht nicht, dass er allen die ihm etwas schulden alle Schulden erlässt. Aber er geht davon aus, dass jemand, der so ein großes Geschenk erhalten hat, das auch weitergibt. Also mit der Einstellung seinem Nächsten begegnet: „Wie er mir, so ich Dir.“

Und das ist auch die Motivation unzähliger Christen hier vor Ort und in der ganzen Welt in ihrem Leben. Sie spüren immer wieder, dass sie von Gott geliebt sind und diese Liebe sprudelt förmlich aus ihnen heraus! Sie gehen liebevoll mit anderen Menschen um. Egal, ob mit einem kleinen Lächeln auf der Straße oder dem Versorgen oder Pflegen anderer Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind. Oder vielleicht mit etwas ganz anderem. Aber in all den unterschiedlichen Taten ist es im Prinzip immer das Gleiche: Sie lieben den anderen Menschen unabhängig davon wer und wie er ist – so wie Gott sie liebt. So wird Gottes Liebe zu seinen Menschen schon hier in unserem Alltag Realität. Einzig und allein dadurch, dass ein Mensch sich bei der Begegnung mit einem anderen Menschen denkt: „Wie ER mir, so ich Dir“!

Ihr Sebastian Vieth

 

 

Liebe Schwestern und Brüder,

ein Pfarrer ist verpflichtet, eine Chronik der Pfarrei zu schreiben. Ich gebe gerne zu, dass diese Aufgabe nicht unbedingt zu meinen Lieblingstätigkeiten gehört. Andererseits lese ich immer wieder einmal gerne nach, wie meine Vorgänger schwierige Zeiten gemeistert haben. Manchmal ist das spannend, wie ein Krimi. Wie beispielsweise Pfarrer Wittler das Kriegsende erlebt hat, einschließlich seiner eigenen Verurteilung zum Tod durch die Nazis kurz vor Schluss.

Spannend ist auch die Atmosphäre in Neuhaus – das Wort „Schloß“ kam erst später dazu – im Zusammenhang mit der Gründung der Filialgemeinden in Mastbruch und Sennelager. 1952, das ist das Jahr, in dem St. Joseph eingeweiht wurde, zählte man in der Pfarrei durchschnittlich 2.995(!) Kirchenbesucher an einem Sonntag.

Interessant ist auch, was nicht festgehalten worden ist. Das 2. vatikanische Konzil wird nur mit einem Nebensatz bedacht.

Dies alles vor Augen sitze ich am Schreibtisch und überlege, was von Januar bis August 2020 für künftige Generationen festgehalten werden muss. Natürlich spielt das Coronavirus eine wichtige Rolle. Am Ende staune ich, was alles anders war, und wie viele, hauptsächlich ehrenamtliche Mitarbeiter sich jetzt erst recht engagiert haben.

Hier kommen ein paar Stichworte, die mir wichtig waren und sind:

– Vom 4. Fastensonntag bis Anfang Mai finden in der Pfarrei keine öffentlichen Gottesdienste mehr statt. Es ist wohl das erste Mal seit Kriegsende, dass das Osterfest nicht in öffentlichen Gottesdiensten gefeiert werden konnte. Nach der Lockerung des Lockdowns haben in unseren Kirchen nur noch 50-70 Personen einen Sitzplatz. Es wird nicht gesungen. Die Mundkommunion ist nicht möglich. Ein Ordnungsdienst sorgt dafür, dass alle mindestens einen Abstand von 1,5 m einhalten. Alle Gottesdienstteilnehmer müssen registriert werden.
– Papst Franziskus spendet einen außerordentlichen Segen Urbi et Orbi vor menschenleerem Petersplatz.
– Die Mitarbeiter im Pastoralteam versuchen über Telefon und social media in Kontakt zu bleiben mit der Gemeinde. Die über das Internet veröffentlichten Kurzfilme werden von vielen Nutzern angeschaut.
– Es findet die erste (gültige!) Kirchenvorstandssitzung virtuell statt.
– Der Pfarrgemeinderat organisiert einen Einkaufsdienst für ältere und kranke Mitbürger.
– Die Erstkommunionfeier findet für 2/3 der Kommunionkinder „individuell“, d. h. in ganz kleinen Gruppen statt.
– Fast alle Hochzeiten sind abgesagt.
– Es gibt keine Fronleichnamsprozession.
– Sowohl die Schützenfeste als auch die weltliche Feier des Liborifestes fallen in diesem Jahr aus.

Peter Scheiwe, Pfarrer

Peter Scheiwe, Pfarrer

Das Corona-Virus ist nach wie vor eine große Herausforderung. Von „Normalität“ kann noch lange nicht die Rede sein. Umso dankbarer bin ich, dass wir bis jetzt noch niemand beerdigen mussten, der am Corona-virus gestorben ist; dass bei uns der Staat und die Gesundheitssysteme funktionieren; dass bei uns niemand so in wirtschaftliche Not geraten ist, dass die Grundbedürfnisse nicht mehr gestillt werden können …

An diesem Sonntag haben die Bischöfe die Initiative ergriffen und bitten uns, im Gebet an alle Menschen dieser Erde zu denken, die bis jetzt nicht so gut durch die Krise gekommen sind wir. Dieser Bitte komme ich gerne nach.

Herzliche Grüße und: bleiben Sie gesund! Ihr Peter Scheiwe

 

Gegen den Strom und bergauf gehen

„Tritt hinter mich, du Satan!“ Es lässt sich vortrefflich darüber streiten, ob es eine „neue Einheitsübersetzung“ der Heiligen Schrift gebraucht hätte. Es lässt sich darüber diskutieren, ob es wirklich viele und vor allem wahrnehmbare Veränderungen in der Übersetzung gibt. Aber der Wortlaut im heutigen Evangelium lässt doch aufhorchen. Was bisher mit „geh mir aus den Augen“ übersetzt wurde, lautet jetzt: „Tritt hinter mich!“ Jesus schickt denjenigen, den er am vergangenen Sonntag noch als Petrus, den Fels bezeichnet hat nicht weg, sondern er soll sich wieder einreihen. Er soll hinter ihm her gehen, wieder in die gleiche Richtung mit Jesus schauen und weiter genau und gut beobachten. Eigentlich hatte Jesus doch gehofft, dass dieser Petrus schon viel mehr von seiner Botschaft nicht nur verstanden, sondern eben auch verinnerlicht hätte.

Auch wenn der Evangelist mit seinem Blick bei Jesus bleibt, so ist es für uns sicherlich nicht uninteressant mit unserem Blick oder besser mit unseren Gedanken bei Petrus zu bleiben, gerade nach dieser schroffen Zurechtweisung. Was bleibt bei ihm hängen? Wie mag er auf diese Zurechtweisung reagieren? Reiht er sich direkt wieder ein oder zieht er sich erst einmal erschrocken oder gar verletzt und unverstanden zurück?

Tobias Dirksmeier, Pastor

Tobias Dirksmeier, Pastor

Die Sprache der ursprünglichen biblischen Texte ist schroff und rau. Da gibt es unvollständige Sätze, es gibt auch Leerstellen, die es auszuhalten und mit dem eigenen Sinn, mehr noch mit dem eigenen Zeugnis des Lebens zu füllen gilt.

Da gibt es Worte und Sätze, die erschrecken und entsetzen. Wir müssen uns einlassen, wir sind herausgefordert, auch wenn uns oft nur das Schweigen oder vielleicht sogar das Fliehen bleibt. Wo sind Sie gerade auf Ihrem Weg der Nachfolge Jesu?

Ihr Pastor Tobias Dirksmeier

 

Brot hat eine besondere Bedeutung. Nicht nur bei den Eltern, die in diesem neu begonnen Schuljahr wieder morgens die Schulbrote ihre Kinder schmieren. Ein liebevoll belegtes Brot, vielleicht in kleine Häppchen geschnitten, macht immer Freude. Ein altes Sprichwort sagt auch: „Brot wendet Not“. Und dabei geht es eben nicht nur um die eigene Versorgung, Brot ist immer auch ein Zeichen der Gemeinschaft, Scheibe für Scheibe, Schnitte für Schnitte. Im Evangelium des kommenden Sonntags wird davon erzählt, wie Jesus, durch das Brotwunder, viele satt macht. Jesus schickt sie nicht fort, sondern er hat Mitleid mit ihnen. Er heilt die Krankheiten und stillt den Hunger.

Sonntag für Sonntag haben wir die Möglichkeit Jesus selbst in die Hand gelegt zu bekommen, in Gemeinschaft, mit ihm und untereinander. Er selbst ist das Zeichen der Gemeinschaft und seiner Liebe, sein Leben wird so zum lebendigen Brot. Liebe lebt jedoch nur, wenn sie weitergeschenkt wird. Wer alles für sich behalten möchte, wird zusehends ärmer und einsamer. Statt des für alle bestimmten Brotes suchen jedoch viele Menschen nur den eigenen Vorteil. Das Habenmüssen ohne Rücksicht auf andere greift wie eine schwere Erkältung immer wieder um sich und seit Jahrtausenden werden wir diesen Virus nicht los. Viele haben dann nur noch ihre kleinen Brötchen, ohne jede Beziehung zum gemeinsamen Brot. Der großherzig schenkende Gott wird dann, bildhaft, eingesperrt ins enge Herz des Menschen. Die göttliche Freiheit des Schenkens könnte uns Menschen doch wieder daran erinnern, dass eigentlich nur im Teilen und Schenken das eigene Glück und Frieden zu finden sind. Unsere Erfahrung sagt doch auch: geteiltes Leid ist halbes Leid, geteilte Freude ist doppelte Freude. Und wer teilt, reicht die Hand.

Benedikt Fritz, Gemeindereferent

Benedikt Fritz, Gemeindereferent

Der Dichter R. M. Rilke beginnt eines seiner Gedichte wie folgt: „Als Mahl begann´s und ist ein Fest geworden… kaum weiß man wie…“ Was im Evangelium als reines Mahl beginnt, was nach einer schlecht kalkulierten Speisungsaktion aussieht, das wird zum Fest. Das Bangen um genügend Nahrung wird zum Staunen. Mangel wird zum Überfluss, Angst wird zu Freude. Und das schönste: Am Ende bleibt etwas über. Da, wo Menschen sich ganz einbringen, da kommt „unterm Strich“ ein Erfolg, ein positives Ergebnis heraus. Da bleibt ein Vorrat für die Zukunft, da bleibt was für die anderen, da bleibt was fürs Morgen, für die Zukunft. „Als Mahl begann´s und ist ein Fest geworden…“ Ich möchte hinzufügen, dass dieses Fest unser Leben sein kann… Ja: kann…, aber nur… … wenn jeder gibt, was er hat, dann werden alle satt! Viel Erfolg uns allen!

Ihr Gemeindereferent Benedikt Fritz

 

 

Grenzüberschreitungen

Vor fast 20 Jahren habe ich mich für das Studium „Katholische Religionspädagogik“ an der KaTHo Paderborn beworben. Bei den Bewerbungsgesprächen an der damaligen KaTHo Paderborn hat mich eine Aussage eines Professors ganz besonders überzeugt. Er sagte: „Wir bilden Sie zur Grenzgängerin aus. Sie wissen von den Regeln, Vorschriften und Wegen etc., die in der katholischen Kirche Bestand haben. Trauen Sie sich etwas zu, schauen Sie auch über den Tellerrand. Fragen Sie sich immer wieder, was brauchen die Menschen um Wachsen zu können, um tiefer ihren eigenen Glauben zu erfahren, zu bedenken und vertiefen  – und ihre eigene Berufung wahrnehmen können. Gehen sie ruhig mal an die Grenzen und darüber hinaus.“

Jesus selbst ist ein Grenzgänger mit Herz. Im Evangelium heute überschreitet Jesus selbst eine Grenze und geht in das Land der „gottlosen Heiden“ und eine Frau! und auch noch eine „Heidin“ spricht Jesu an und bittet ihn um Hilfe. Jesus hört die Frau und nimmt sie ernst. (Die Jünger hätten die Frau lieber aus Bequemlichkeit schnell beiseitegeschoben.)

Ich habe im Moment die Befürchtung, dass wir in Lethargie und Bequemlichkeit verfallen. Oder vor Angst vor Machtverlust und Zukunftssorgen, zu wenig über den Tellerrand schauen. Wir bleiben lieber in unserer Komfortzone und hören nicht immer auf unser „Herz“.

Gott wendet sich allen Menschen zu, auch denen sich abgewendet haben oder nicht mehr so viel mit der Kirche anfangen können.

Lassen wir – lassen Sie – sich nicht entmutigen. Wir können in unserer Kirchen Räume, Zeiten und Unterstützung finden und anbieten – wo Menschen wachsen können – auf ihrem privaten und spirituellen Weg.

Ein ermutigendes Gedicht habe ich bei „Vielleicht lässt jemand Wunder regnen“  (Deutsche Bibelgesellschaft) gefunden. (Es steckt bei mit in der Handtasche, neben meiner Schutzmaske und meinem TerminkalenderJ).

Ihre Gemeindereferentin Petra Scharfen

 

Schwestern

 

Frau Angst und Frau Vertrauen sind Schwestern

 

Bleib, ruft Frau Angst.

Geh, ruft Frau Vertrauen.

 

Ich beschütze dich, verspricht Frau Angst.

Ich lasse dich, verspricht Frau Vertrauen.

 

Bei mir bist du in Sicherheit, verspricht Frau Angst.

Bei mir bist du in Erwartung, verspricht Frau Vertrauen.

 

Ich bin, sagt Frau Angst.

Ich werde, sagt Frau Vertrauen.

 

Susanne Niemeyer

 

 

Im Sonntagsevangelium geht Jesus mitten in den tosenden Wellen über das Wasser zum Boot der Jünger. In dieser Ferienzeit wären viele von uns wohl gerne am Wasser, ein Teil wird es erleben, aber für viele Menschen verlaufen diese Ferien anders als geplant. Das Reiseziel liegt im Risikogebiet oder die Sorge um den Arbeitsplatz lässt aus finanziellen Erwägungen keine größere Reise zu. Vieles ist in diesem Sommer anders.

Ich höre allerdings ganz oft dabei nicht Verbitterung, sondern oft die erstaunliche Erkenntnis, dass man sich viel mehr auf Wesentliches besinnt. Manche von uns entscheiden sich ganz bewusst, die Zeit wieder anders schätzen zu lernen. Wenn sich das Leben in Beruf oder Gesellschaft langsamer dreht, kann man wieder viel mehr neben sich wahrnehmen. Ein Unterschied wie zwischen einer Fahrt im ICE und in der Bimmelbahn. Die Umwelt in den Blick nehmen, statt hindurch zu hetzen. Auch Ferien sind erholsamer, wenn man einen Gang zurück schalten muss.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien, dass Sie diese Ferienzeit trotz aller Umstände genießen könne und die Erholung erfahren, die wir so dringend benötigen, um wieder neue Kraft für die Zukunft zu schöpfen.

Ihr Diakon Klaus Pöppel

Diakon Klaus Pöppel
Diakon Klaus Pöppel

Wir hören in den Sonntagsevangelien vom Himmelreich, das wie ein gefundener Schatz oder eine kostbare Perle ist. Der Finder gibt alles hin für dieses eine. Fazit für uns? Du musst alles aufgeben und dich für das wirklich Wichtige entscheiden?

Vor langer Zeit war die Verkündigung der Kirche voll von solchen Parolen. Je größer der Verzicht und das Leiden für Gottes Reich, desto heiliger war dieser Mensch. Wichtig ist Jesus aus meiner Sicht genau das Gegenteil – die Freude und Begeisterung. Der Mann, der bei der Arbeit plötzlich und unerwartet auf einen Schatz stößt, der sein Leben verändern wird, und der Perlensucher, der mit Geduld und Ausdauer nach der einen große Kostbarkeit sucht – sie haben etwas gefunden, was alles Gewöhnliche übersteigt. Voller Freude, so erzählt Jesus, packen sie die Gelegenheit bei Schopf. Mehr Glück, das wissen sie sofort, werden sie nie mehr haben. So ist es mit dem Himmelreich. Es braucht Begeisterung für das was wirklich glücklich machen wird. Und es braucht die Bereitschaft, auch und gerade in dieser Welt das Himmelreich zu erkennen, wo immer es gefunden werden kann. Im Alltag, bei der Arbeit, in der Begegnung sollten wir empfänglich sein für das Unerwartete und Verborgene.
So schreibt Ute Weiner:

verborgen im Acker
Schatz der Liebe
kostbares Geheimnis
nur das Herz versteht
die Sprache der Liebe

verborgen in der Muschel
Perle der Liebe
kostbares Geheimnis
nur das Herz singt
mitten im Geheimnis
das Lied der Liebe

verborgen im Herzen Gottes
Geheimnis der Liebe
unendlich kostbar
mitten im Geheimnis
sehnt sich mein Herz
nach dir

Ihr Diakon Andreas Kirchner

DIakon Andreas Kirchner
Diakon Andreas Kirchner

Liebe Leser und Leserinnen,

sicher haben Sie schon einmal ein Gedicht von Joachim Ringelnatz (1883-1934) gelesen. Sein eigentlicher Name lautete Hans Gustav Bötticher. 1919 verfasste er die ersten Gedichte unter dem Pseudonym Joachim Ringelnatz. Sein  Vorname Joachim wird übrigens mit seiner  lebenslangen Gläubigkeit in Verbindung gebracht (der Name bedeutet „Gott richtet auf“). Bekannt ist der Dichter  für seine humoristischen Verse, tatsächlich aber war sein künstlerisches Schaffen weitaus umfangreicher und sehr vielfältig.

In einem kleinen Gedichtband, der noch aus meiner Schulzeit stammt,  fand ich folgende Zeilen von ihm:

Ein Samenkorn lag auf dem Rücken,

die Amsel wollte es zerpicken.

Aus Mitleid hat sie es verschont

und wurde dafür reich belohnt.

Das Korn, das auf der Erde lag,

das wuchs und wuchs von Tag zu Tag.

Jetzt ist es schon ein hoher Baum

und trägt ein Nest aus weichem Flaum.

Die Amsel hat das Nest gebaut,

dort sitzt sie nun und zwitschert laut.

                                                                                             Joachim Ringelnatz

Vielleicht haben Sie  geschmunzelt, als Sie dieses Gedicht lasen. Die Amsel ist uns sympathisch und wir freuen uns mit ihr, dass sie dem kleinen Korn eine Chance gegeben hat. Wie dumm waren dagegen doch die Vögel in dem Gleichnis, das Jesus seinen Jüngern erzählte. Sie stürzten sich auf die Samenkörner und fraßen sie im Nu auf. Nun ja, sie lagen auf dem Weg und wären wahrscheinlich  nicht aufgegangen, so mag man einwenden. Vielleicht brauchten sie aber auch nur ein wenig mehr Zeit, Pflege und Aufmerksamkeit um wachsen zu können.

Angelika Schulte, Gemeindereferentin

Angelika Schulte, Gemeindereferentin

Der Samen steht im Gleichnis für das Wort Gottes, der Sämann ist Christus selbst. Er schenkt uns seine Worte, die nicht immer sofort  in unseren Herzen ankommen und Früchte tragen. Andere Dinge sind uns wichtiger und  es ist ja immer zu wenig Zeit.  Vielleicht  neigen wir auch dazu, Jesu  Worte zu „zerpicken“ und theologisieren, diskutieren und  interpretieren sie zu sehr ohne dass sie bei uns auf fruchtbaren Boden fallen.

Wie kann ich aber mein Herz öffnen für das Wort Gottes?  Nehmen wir uns  doch einmal am Tag ein paar Minuten Zeit und sprechen  ein Wort des Evangeliums, das uns anrührt und bewegt,  immer wieder leise vor uns hin. Nach einer Zeit  wird dieses  Wort verinnerlicht, es beginnt zu wirken und schenkt uns Kraft.  Diese Methode nennt sich Ruminatio und ist ein Element in der „Lectio divina“, einer Weise der Schriftbetrachtung, die dabei helfen kann, den Weg vom Wort zum Herzen zu finden. Die Sommerzeit schenkt uns sicher Augenblicke um dies einmal auszuprobieren.

 

Ihre Gemeindereferentin Angelika Schulte

 

Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich … wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich … wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert! Dafür oder dagegen – richtig oder falsch – entweder oder – entscheide dich – jetzt!

Sind die Voraussetzungen für die Nachfolge Jesu wirklich so radikal oder sogar lieblos und hart? Wer kann das aushalten, wer will das aushalten? Noch dazu, wo es zurzeit doch ganz andere Probleme zu bewältigen und bestehen gilt! Herausgelöst aus dem Zusammenhang könnte man schnell zum Schluss kommen: Das geht nun wirklich zu weit! Wer soll sich unter diesen Bedingungen denn für ein Leben in der Nachfolge Jesu entscheiden?

Im Zusammenhang gesehen können wir aber durchaus etwas entdecken, das uns heute eine gute Hilfestellung in den Herausforderungen der Zeit geben kann. Wir hören den Abschluss der sogenannten Aussendungsrede Jesu. Jesus wendet sich an die, die schon in seiner Schule gewesen sind. Sie sind mit Jesus unterwegs gewesen, haben ihn beobachtet. Sie wurden von ihm herausgefordert und auf die Probe gestellt. Sie sind geblieben und seinen Weg mitgegangen. Und jetzt sollen sie auf eigenen Füßen stehen, sie sollen seine Botschaft selbstbewusst und eigenverantwortlich verkünden. Das Rüstzeug dazu hat er ihnen mit auf den Weg gegeben. Vor allem seine Liebe – mehr noch, seine verzeihende Liebe. Und genau das kann auch uns eine Hilfe sein. Die Jünger haben in der Nähe Jesu lernen können:

  • Geh meinen Weg mit. Mitten in den lauten Stimmen, die dich auf einen anderen Weg bringen wollen.
  • Erlebe meinen Alltag mit. Nimm meine Haltung den Menschen und auch unterschiedlichen Meinungen gegenüber wahr. Sammle Erfahrungen, probiere dich aus.
  • Und dann nimm das, was du erlebt, was du gehört, was du gesehen, was du in unterschiedlichen Situationen und Begegnungen gefühlt hast als Entscheidungsgrundlage, als Orientierungshilfe für deinen ganz persönlichen Weg.
  • Schau alles an – dazu hast du Zeit.
  • Nimm all die Möglichkeiten, die sich dir bieten wahr – in einer Haltung von Respekt und Wohlwollen.
  • In der Entscheidung mir nachzufolgen in der Haltung, wie du dein Leben gestaltest gibt es nicht nur ein schwarz oder weiß, ein richtig oder falsch, ein „entweder oder“, sondern immer ein „sowohl als auch“!
  • Aber dann triff eine Entscheidung. Ganz bewusst!
  • Und wenn du deine ganz persönliche Entscheidung getroffen hast, dann lebe sie mit Entschiedenheit und aus ganzem Herzen. Ich begleite deinen Weg, ich bin dabei!

Ich wünsche Ihnen und mir, dass wir diese Herausforderung immer wieder an- und ernstnehmen: Jesus fordert von mir Liebe ein, eine Liebe, die sich immer an meiner Haltung zum Nächsten, an meinem Respekt und Wohlwollen ihm gegenüber orientiert.

Ich wünsche Ihnen in diesem Sinne eine gute Zeit der Entscheidung!

Ihr Pastor Tobias Dirksmeier

Tobias Dirksmeier, Pastor
Tobias Dirksmeier, Pastor
An den Anfang scrollen