Überspringen zu Hauptinhalt
Katholische Pfarrei Heiliger Martin · Paderborn Schloß Neuhaus, Sande, Sennelager, Mastbruch · Impressum | Datenschutzerklärung 

Ob er in diesen Tagen ankommt?

In diesen Tagen findet man sie überall, die farbigen Werbeblätter, die darauf hinweisen, was man so alles zu Weihnachten kaufen kann oder besser kaufen soll. Angebote ohne Ende, Black-Friday und die -CyberWeek… Ein beträchtlicher Aufwand wird betrieben damit bestimmte Gegenstände so in uns „ankommen“, dass wir sie unbedingt haben wollen. Werbung ist nun mal immer mit viel Aufwand verbunden.

Aber eines sollten wir nicht vergessen: Advent meint eigentlich, dass GOTT in uns Menschen ankommen will… ER kommt, trotz „Teil-Lockdown“, denn: ER ist schon längst da, ER, der „Ich bin, der ich bin da“. Und dennoch stellt sich mir die Frage, wie Werbung für Gott aussehen könnte, damit auch in diesem Advent spürbar wird, dass Gott da ist: reicht eine Facebook-Seite (https://www.facebook.com/hlMartinSchlossNeuhaus/), Flyer, Werbeplakate, Pfarrbriefe, reicht eine Homepage (www.hl-martin-schlossneuhaus.de)? Oder reicht es einfach aus, „zu glauben“, dass der Weg Gottes zu uns Menschen nun mal nur seine Sache ist und wir darauf ja eh keinen Einfluss haben? Das dann wohl eher nicht, denn wie las ich letztens in einem alten Gebet: „Jesus hat keine Hände, nur unsere Hände, um heute Gutes zu tun“. Ich glaube, dies gilt auch für die Worte, die wir sprechen, die Worte, die wir schreiben. Wir sind doch seine besten Werbeträger.

Benedikt Fritz, Gemeindereferent
Benedikt Fritz, Gemeindereferent

Am Anfang der ursprünglichen Adventszeit stand ein Mann am Jordan, der den Auftrag hatte, für Gott, für sein „Kommen“, einen Weg zu bahnen und im Evangelium des 1. Advent wird doch auch klar gesagt: „Seid wachsam! Denn ihr wisst nicht, wann der Hausherr kommt“. Der Täufer Johannes rüttelte die Menschen auf und versuchte, die Hindernisse in den Herzen wegzuräumen, dass die Sehnsucht nach Gott aufbrach. Und da wir ja nicht wissen, wann die Zeit da ist, bis der Hausherr, bis Gott kommt, heißt es für uns alle – in diesen Coronazeiten doch mehr denn je –  verantwortlich die gegenwärtigen Stunden zu leben und nach dem Herrn Ausschau zu halten, bis sein großer Tag gekommen ist. Advent beginnt immer in uns selbst, seine Ankunft beginnt in uns, in der Überlegung, was in uns ankommen will und was wir draußen lassen. Gott selbst fragt uns, ob wir ihm Raum geben in uns. Gott wirbt um den Menschen, ganz sicher auf eine völlig andere Weise als die allgemein übliche. So wünsche ich Ihnen allen, dass ER ankommt, bei Ihnen und bei Ihren Lieben.

Ihr Gemeindereferent Benedikt Fritz

 

Liebe Schwestern und Brüder,

als neues Mitglied im Pastoralteam der Pfarrei Hl. Martin möchte ich mich zunächst in aller Kürze vorstellen: Als gebürtiger Bielefelder studierte ich in den letzten Jahren in Münster und Rom Theologie und bin nun für das Erzbistum Paderborn in der Ausbildung zum Priester. Noch vor einigen Monaten hätte ich mir nicht denken können, dass diese Zeit so sehr von der Corona-Pandemie geprägt sein wird. Die Krise hat viele Probleme in der Gesellschaft und der Kirche wie ein Brennglas gebündelt und sichtbar gemacht. Vielen von uns stellt sich die Frage, wann wieder bessere Zeiten kommen und unsere Geduld wird auf die Probe gestellt. Auch das Kirchenjahr mit dem Christkönigsfest und dem beginnenden Advent nimmt spürbar die Dramatik des Wartens auf. Vielleicht kann unser Beitrag als Christen in dieser ungewissen Zeit darin bestehen, mit einer anderen Haltung zu warten: Der tschechische Priester und Autor Tomás Halík spricht davon, dass die „göttlichen Tugenden“, also Glaube, Liebe und Hoffnung in unserer Zeit Worte der Geduld und des Wartens sein können. Sie können uns auch durch dunkle Zeiten tragen und unserem Leben eine Richtung geben. Diese Tugenden sind vor allem dann wichtig, wenn die äußeren Umstände widrig sind. Wir sind eingeladen, uns täglich neu in diese Haltungen einzuüben und unsere Herzen so auf das Gute hin auszurichten. Damit ist noch keine Aussage über den Ausgang der Corona-Krise gemacht, aber wir bereiten unseren inneren Raum vor für die Ankunft Jesu Christi. Gehen wir diesen Weg gemeinsam!

Ihr Jakob Ohm

 

Liebe Schwestern und Brüder,

manche Worte und Taten von Menschen sind unsterblich. Nach über 1.600 Jahren erinnern sich viele Menschen bei uns noch daran, wie der heilige Martin seinen Soldatenmantel mit dem frierenden Bettler – wir würden heute von einem Penner reden oder einem Obdachlosen – am Stadttor von Amiens teilte. Von Generation zu Generation ist diese Episode aus dem Leben des Heiligen weiter erzählt worden bis in die Gegenwart. Auch wenn in diesem Jahr kein Martinszug stattfinden kann, möchte ich mit dem Erzbischof allen sagen: Lasst euch das Fest nicht vermiesen.

Weniger bekannt, jedenfalls außerhalb von Paderborn ist, dass er die so genannten Werke der Barmherzigkeit Zeit seines Lebens großgeschrieben hat. z. B. „Die Toten begraben“. Wenn wir Libori feiern, singen sie selbst in Coronazeiten im Hohen Dom „Selig, dem beim Hinübergang Martin zur Seite stand.“, selbstverständlich in der lateinischen Sprache: Beatus cui Martinus adfuit in dulci transito“

Liborius und Martinus waren zu Lebzeiten Nachbarbischöfe. Tours und Le Mans liegen direkt nebeneinander. Wir dürfen uns beide nicht mit Stab und Mitra vorstellen. Die haben sie nie getragen. Sie waren eher Mönche, Missionare, im Vollsinn des Wortes. Sie fühlten sich geschickt zu den Menschen ihrer Zeit mit dem Evangelium von der Erlösung, mit der Botschaft von der Barmherzigkeit, mit der Perspektive auf das ewige Leben und zwar zu einer Zeit, als das Christentum nördlich der Alpen noch in den Kinderschuhen steckte.

Peter Scheiwe, Pfarrer
Peter Scheiwe, Pfarrer

Der heilige Liborius hat diese „Karriere“ 400 Jahre nach seinem Tod fortgesetzt und der jungen Kirche von Paderborn als deren Schutzpatron sozusagen auf die Sprünge geholfen. Rufen wir den heiligen Martin im gleichen Anliegen um seine Fürsprache an als Schutzpatron für unsere junge Pfarrei.

Herzliche Grüße, Ihr Pastor Peter Scheiwe

 

Liebe Leser und Leserinnen,

wir wissen nicht, wann Gott uns begegnen will. In jedem Menschen, in allen Dingen, die wir erleben, kann das sein. „Wachsam sein“, so heißt die Devise für uns Christen und Christinnen, die uns das heutige Evangelium vermitteln möchte. Der spanische Schriftsteller Pedro Calderon de la Barca verfasste folgende Parabel:

„Die Hölle war total überfüllt, und noch immer stand eine lange Schlange am Eingang. Schließlich musste sich der Teufel selbst herausbegeben, um die Leute fortzuschicken. „Bei mir ist nur noch ein einziger Platz frei“, sagte er, „den muss der größte Sünder bekommen.“ Der Teufel hörte sich die Verfehlungen der Einzelnen an. Aber was auch immer sie ihm erzählten, nichts schien ihm schrecklich genug, als dass er dafür den letzten Platz in der Hölle hergeben mochte. Doch da stand noch ein Mann ganz für sich allein, den er noch nicht befragt hatte. „Was haben sie denn getan?“, fragte ihn der Teufel. „Nichts“, sagte der Mann, „ich bin ein guter Mensch und aus Versehen hier.“ „Aber sie müssen doch etwas getan haben“, sagte der Teufel, „jeder Mensch stellt etwas an.“ „Ich sah es wohl“, sagte der ›gute Mensch‹, „aber ich hielt mich davon fern. Ich sah, wie Menschen ihre Mitmenschen verfolgten, aber ich beteiligte mich nicht daran. Sie haben Kinder hungern lassen und in die Sklaverei verkauft; sie haben auf den Schwachen herumgetrampelt. Überall um mich herum haben Menschen Übeltaten jeder Art begangen. Ich allein widerstand der Versuchung und tat nichts.“ „Absolut nichts?“ fragte der Teufel ungläubig. „Sind sie sich völlig sicher, dass Sie das alles mit angesehen haben?“ „Vor meiner eigenen Tür“, sagte der ›gute Mensch‹. „Und nichts haben Sie getan?“, widerholte der Teufel. „Nein!“ „Komm herein, mein Sohn, der Platz gehört dir!“ Und als er den ›guten Menschen‹ einließ, drückte sich der Teufel zur Seite, um nicht mit ihm in Berührung zu kommen.“

Wie klug doch dieser Teufel ist. Der vermeintlich ›gute Mensch‹ entzieht sich jeder Verantwortung, denn er sieht nur mit seinen Augen, nicht aber mit seinem Herzen. So bleibt er ein tatenloser „Zuseher“. Vor ihm hat selbst der Teufel Angst. Lassen Sie mich mit einem Gebet abschließen:

Jesus, du selbst hast das Böse mit Gutem überwunden. Ich möchte mich an Dir orientieren. Erfülle mich mit deinem guten Heiligen Geist. Schenke mir ein Herz, das offen ist für die Sorgen, Nöte und Ängste anderer. Schenke mir Mut, nach Wegen der Gerechtigkeit und des Friedens zu suchen. Schenke mir Weisheit, den richtigen Moment zum Handeln zu erkennen. Amen.

Es grüßt Sie Gemeindereferentin

Angelika Schulte

Angelika Schulte, Gemeindereferentin
Angelika Schulte, Gemeindereferentin

An diesem Wochenende feiern wir Allerheiligen. Wir gehen auf die Friedhöfe und entzünden Kerzen für unsere lieben Verstorbenen. Warum? „Die sind doch tot. Dann macht das doch gar keinen Sinn, die haben doch gar nichts davon.“ Oder?

Als Christen sind wir überzeugt, glauben wir, dass der irdische Tod eben nicht das Ende ist. Unsere unsterbliche Seele, der eigentliche Kern unseres Lebens und unseres Wesens, verlässt die für uns erfassbare Welt. Wir glauben daran, dass wir, bzw. dann unsere Seele, diese geliebten Menschen nach unserem eigenen Tod wiedersehen werden. Und deswegen ist Allerheiligen eigentlich kein Tag der Trauer, sondern im Gegenteil ein Tag der Freude auf das Wiedersehen.

In anderen Kulturen gehen die Menschen dann auf den Friedhof und feiern dort, essen und trinken und nehmen das Grab ganz bewusst in die Mitte ihrer Feier. Dieses Wissen um das Wiedersehen bei Gott gibt Kraft und kann uns helfen, den Verlust besser zu tragen. Wenn auf dem Friedhof die Kerzen leuchten, so erleben wir eine Stimmung, in der diese vielen Lichter das Dunkel der hereinbrechenden Nacht durchbrechen. Und genauso durchbricht unsere Hoffnung die Angst vor dem Tod. Das Licht, das mit Christus in die Welt gekommen ist und uns in der Taufe weitergegeben wurde, zeigt uns den Weg. Und so können wir Allerheiligen als ein Fest der Hoffnung begreifen, das Kraft gibt, das helfen kann und uns selber vielleicht auch die Angst vor dem eigenen Tod nehmen kann.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien ein besinnungsvolles Wochenende und in dieser schwierigen Zeit Kraft und Stärke.

Ihr Diakon Klaus Pöppel

Diakon Klaus Pöppel
Diakon Klaus Pöppel

Während die Blätter
wie im Spiel
die Bäume verlassen

unausweichlich
unwiderruflich
unaufhaltsam

senkt sich
mein Blick
auf den Seelengrund

und sammelt all die bunten
all die längst vergilbten
all die noch verbleibenden

und ich sage leise
und immer wieder
danke Gott

Wilfried Röhring

Liebe Gemeinde!

Spätestens beim Blick aus dem Fenster wissen wir – es ist Herbst. Und jedes Jahr im Herbst begehen wir den Welt-Herztag. Das ist kein Zufall. Während im Frühjahr alles in uns nach draußen drängt, wendet sich der Blick im Herbst auf unser Inneres oder Innerstes. Seit alters wird das Herz mit dem Sitz der Gefühle, der Seele und der Liebe gleichgesetzt. Als Jesus im aktuellen Sonntags-Evangelium nach dem wichtigsten Gebot gefragt wird, ist seine erste Antwort: „Du sollst den Herrn deinen Gott lieben mit ganzem Herzen.“ (Mt 22,37)

Das Herz ist ein uraltes Sinnbild für das, was den Menschen „ausmacht“: Unsere „tiefste, innere Persönlichkeit“, unsere „soziale Haltung“, unser „Sein“. So sagt der Volksmund „Er hat ein großes Herz“, oder „der bzw. die hat ihr Herz am rechten Fleck“ oder „es wird mir eng ums Herz , wenn ich das sehe“. Das Herz ist im Verständnis der Bibel ein geheimer Ort, der regelrecht erforscht werden muss. Und wer das tut, wer sich (im Herbst !) auf die Expedition zum eigenen Mittelpunkt einlässt, der kann etwas erleben, denn viel Angenehmes wie Unangenehmes sammelt sich im Laufe des Jahres in unserem Herzen an. Das wollen wir vielleicht gar nicht alles ans Licht zerren und unseren Mitmenschen zeigen.

Im Buch Samuel finden wir den Vers „Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; Gott aber sieht das Herz an“ (1.Samuel 16,7). Wir dürfen sicher davon ausgehen, dass Gott dieses Tiefste Innerste nicht egal ist. Nein, Menschen haben die Erfahrung gemacht, dass Gott sich um ihr Innerstes bekümmert, und dieses Innerste haben sie in biblischen Texten mit dem Herzen bezeichnet. Was Gott uns schenkt, ist kein versteinertes Herz, sondern ein lebendiges Herz, ein liebendes Herz, ein barm-herz-iges Herz – das sollten wir uns immer wieder selbst vor Augen führen. Und im Herzen sucht Gott den Platz in unserem Leben – eher noch als im Kopf.

Diese Zeit, die uns durch Witterung wie auch durch Corona dazu zwingt, dass wir uns mit uns selbst beschäftigen, sollten wir nutzen.

Ihr/Euer Diakon Andreas Kirchner

DIakon Andreas Kirchner
Diakon Andreas Kirchner

Bei Geld scheiden sich wohl die Geister. Das macht dieses Evangelium deutlich. Jesus soll in die Falle tappen. Sagt er, man soll Steuern zahlen, stellt er sich gegen die Juden. Sagt er, keine Steuern, stellt er sich gegen die Römer.

„Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist.“

Nicht immer ist es so klar geregelt. Und schließlich ist unsere Kirche auch Nutznießer des deutschen Steuerwesens. Laut Konkordat sammelt der Staat die Kirchensteuer ein. Deutschland ist eines der wenigen Länder, das von einem solchen System profitiert. Die Kirchensteuer als göttlicher Mammon?

Unumstritten ist es nicht. Schon seit Jahren überlegen Politiker wie auch Kirchenmenschen, ob dieses System aufrechterhalten werden soll. Die einen befürchten, dass dann weniger Geld in die Kassen gespült werden wird und manche Angebote nicht aufrecht erhalten werden können. Schließlich sind die Kirchen einer der größten Arbeitgeber in Deutschland, betreibt Einrichtungen im Sozial- und Gesundheitswesen. Andere fänden die Abschaffung der Kirchensteuer gut. Die oben genannten Einrichtungen würden eh durch andere Töpfe mitfinanziert. Ohne Kirchensteuer könnte jede und jeder der Kirche durch Spenden auch Zustimmung oder Ablehnung mitteilen.

Anja Fecke,
Gemeindereferentin / Behindertenseelsorgerin
a.fecke@cww-paderborn.de
0160 897 22 37

Wie auch immer diese Diskussion ausgehen wird. Im Augenblick profitieren wir noch von der Kirchensteuer. Ohne sie wären Unterstützungsprogramme wie „Weihnachten trotz Corona“ nicht möglich. Und auch der ein oder andere Fonds für bedürftige würde schnell zusammenschmelzen. Was würde Jesus heute dazu sagen?

Einen schönen Sonntag und eine gute Woche wünscht Anja Fecke, Gemeinderef

„Fratelli tutti“ – Einblick in die Gedanken der neuen Enzyklika von Papst Franziskus

Die Schatten einer abgeschotteten Welt (Kap. 1) verbreiten sich in der Welt und lassen Verletzte am Wegesrand zurück, die ausgeschlossen, ausgesondert werden. Die Schatten lassen die Menschheit in Verwirrung, Einsamkeit, Leere untergehen. Wir begegnen auf dem Weg einem Fremden (Kap. 2), der verletzt ist. Angesichts dieser Wirklichkeit sind zwei Haltungen möglich: weitergehen oder stehenbleiben; einschließen oder ausschließen. Das wird das Wesen des Menschen oder des politischen, sozialen oder religiösen Projekts bestimmen, die wir sind.

Gott ist universale Liebe, und da wir Teil dieser Liebe sind und sie teilen, sind wir zur universalen Geschwisterlichkeit aufgerufen, die Offenheit ist. Es gibt keine „anderen“ und kein „sie“, es gibt nur ein „wir“. Wir wollen mit Gott und in Gott eine offene Welt (Kap. 3) (ohne Mauern, ohne Grenzen, ohne Ausgeschlossene und Fremde), und deshalb haben wir und wollen wir ein offenes Herz (Kap. 4). Wir leben eine soziale Freundschaft, wir bemühen uns um das moralisch Gute, um eine soziale Ethik, weil wir wissen, dass wir Teil einer universalen Geschwisterlichkeit sind. Wir sind berufen zur Begegnung, zur Solidarität, zur Unentgeltlichkeit.

Für eine offene Welt und mit einem offenen Herzen muss die beste Politik gemacht werden (Kap. 5). Politik für das Gemeinwohl und das universale Wohl, Politik für die Menschen und mit den Menschen, das heißt allgemein, mit der sozialen Nächstenliebe, die die Würde des Menschen sucht und die ausgeübt wird von Männern und Frauen, die mit politischer Liebe die Wirtschaft in ein soziales, kulturelles und allgemeines Projekt integrieren.

Einen Dialog führen zu können ist der Weg, um die Welt zu öffnen und soziale Freundschaft aufzubauen (Kap. 6), und das ist die Grundlage für eine bessere Politik. Der Dialog respektiert, ermöglicht und sucht die Wahrheit; der Dialog lässt die Kultur der Begegnung entstehen, das heißt, dass die Begegnung zu einem Lebensstil, einer Leidenschaft und einer Sehnsucht wird. Wer einen Dialog führt, ist freundlich, er akzeptiert und respektiert den anderen.

Aber das reicht nicht aus: Man muss die Realität der durch die Auseinandersetzung verursachten Wunden in Angriff nehmen und an ihrer Stelle Wege zu einer neuen Begegnung finden und gehen (Kap. 7). Wir müssen die Wunden heilen und den Frieden wiederherstellen, wir müssen mutig sein … Auf dem Weg zum Frieden ist der Konflikt unvermeidlich, aber das macht Gewalt keineswegs akzeptabel. Daher ist der Krieg als Mittel inakzeptabel und die Todesstrafe eine Praxis, die ausgemerzt werden muss.

Die verschiedenen Religionen der Welt erkennen den Menschen als Geschöpf Gottes an, und weil wir Geschöpfe sind in einer Beziehung der Geschwisterlichkeit. Die Religionen sind aufgerufen zum Dienst an der Geschwisterlichkeit in der Welt (Kap. 8). Aus unserer Offenheit gegenüber dem Vater aller erkennen wir unsere universale Stellung als Brüder und Schwestern. Für Christen liegt die Quelle der menschlichen Würde und der Geschwisterlichkeit im Evangelium Jesu Christi, dem unser Handeln und unser Einsatz entspringt. Dieser Weg der Geschwisterlichkeit hat für uns auch eine Mutter, die den Namen Maria trägt.

Angesichts der von den Schatten einer abgeschotteten Welt Verletzten, die am Wegrand liegen, ruft Papst Franziskus uns auf, uns die weltweite Sehnsucht nach Geschwisterlichkeit zu eigen zu machen und sie zu verwirklichen, was damit beginnt anzuerkennen, dass wir alle Geschwister sind – Fratelli tutti.

Text: https://dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/dossiers_2020/02-FRATELLI-TUTTI-Kurzfassung.pdf – abgerufen: 06.10.2020

 

„Erbsenzähler“ oder: Das Glück in der Hosentasche

An diesem Wochenende werden in St. Joseph Mastbruch von der KLJB „Minibrote“ verkauft. In vielen Kirchen werden Erntegaben zu finden sein, die von Ehrenamtlichen liebevoll aufgebaut werden. Erntedank kann uns auf die Dinge aufmerksam machen, die uns jeden Tag geschenkt werden und für die wir: „Gott, ich danke dir dafür.“ sagen können. Gerade in diesen Zeiten brauchen wir auch den Blick auf die positiven Dinge.
Sie fragen sich: „Was kann ich nur machen, dass ich auch die positiven Dinge sehe?“

Ein Freund schlug in einer Runde mal vor: „Weißt du, was da helfen könnte? Erbsen zählen!“ Alle sahen sich überrascht an. Erbsen zählen, wie denn das? „Nun ja“, sagte er, „das ist ganz einfach: Steck dir morgens eine Handvoll trockener Erbsen in die linke Hosen- oder Jackentasche. Immer, wenn Du tagsüber etwas Gutes erlebst, und sei es nur eine Kleinigkeit, nimm eine Erbse und stecke sie in die rechte Tasche. Du wirst wirklich staunen: Abend für Abend ist Ihre rechte Tasche voller als die linke. Manchmal wirst du nicht einmal genügend Erbsen dabei haben, um die vielen schönen Dinge zu würdigen.“
Ist das nicht eine gute Idee? Eine Erbse für das Frühstücksbrot, eine Erbse für die Frau/ Mann an meiner Seite, eine Erbse für den schönen Herbsttag, eine Erbse für den lieben Besuch, eine für eine schöne Hunderunde, für eine Motorradfahrt ins Sauerland….dass jemand für mich betet, dass in der Gemeinde Menschen sich immer wieder finden, um weiterzudenken…. und …und …

Es gibt so viele Gründe für eine Erbse! (nacherzählt aus dem Buch von Uwe Heimowski „Ich bin dafür“)

PS: Heute feiern wir das Erntedankfest; das ist eine gute Gelegenheit, mal all die Erbsen zu zählen, die uns Gott Tag für Tag in die Tasche steckt. Und dann können wir es wiederholen – Tag für Tag.

Eine gesegnete Woche
Ihre Gemeindereferentin Petra Scharfen

Entschuldigung

„Ich kann mich ja auch entschuldigen“, sagt jemand, als es um die Frage geht, wie Auseinandersetzungen unter den Menschen ausgetragen werden. Es klingt, je nachdem wie man es liest oder hört, wie eine besondere Eigenschaft, dass man sich für Fehler entschuldigt, und sollte eigentlich doch die Regel sein.

Die erste Lesung vom 26. Sonntag im Jahreskreis ist überschrieben mit „Wenn ein Schuldiger von dem Unrecht umkehrt, wird er sein Leben bewahren“. Ständig werden Menschen aneinander schuldig, aber eine Leistungsgesellschaft mit ihrem Druck, so wie heute, verführt dazu, die eigene Schuld immer auf andere Menschen, Institutionen oder bestimmte Umstände oder sonst was zu schieben. Wer Fehler eingesteht muss heute manches Mal vielleicht ja sogar aufpassen, dass er/sie sich nicht zu viel auf seine/ihre „Demut“ einbildet. Dabei ist dieses Eingeständnis in sich auch nicht ganz richtig. Niemand kann sich selbst entschuldigen, geschweige denn sich selbst von einer Schuld befreien. Entschuldigen kann nur, wer die Schuld zu tragen hat, nicht der Täter, sondern das Opfer. Mit unserer Schuld sind wir nun mal immer angewiesen auf die Vergebung durch andere.

Dies gilt vor allem im Hinblick auf Gott. Weil er von Grund auf barmherzig ist, kann er wirklich unsere Schuld von uns nehmen, und er tut es, ohne zu zögern. Weil er uns nicht auf unsere Schuld „festnagelt“, deshalb können wir auch untereinander Entschuldigung gewähren.

Benedikt Fritz, Gemeindereferent
Benedikt Fritz, Gemeindereferent

Es ist gut, wenn jemand seine Schuld eingesteht. Noch wichtiger ist allerdings, dass wir die Schuld an einem anderen nicht nachtragen, sondern ihn von Herzen entschuldigen und ehrlich sagen: „Es ist wieder gut!“

Ohne eine solche Vergebung wird es auch in den menschlichen Beziehungen immer kälter und ein „Leben in Fülle“ nicht mehr möglich. „Wenn ein Schuldiger von dem Unrecht umkehrt, wird er sein Leben bewahren“; versuchen wir doch dies einander auch zu ermöglichen.

Ihr Gemeindereferent Benedikt Fritz

 

An den Anfang scrollen