Mit dem Abschluss der Liboriwoche tut eine ruhigere Zeit sicher gut. Nach den vielen Begegnungen, Festen und Gottesdiensten wächst vielleicht die Sehnsucht nach etwas Ruhe – nach Zeit zum Durchatmen und Kraftschöpfen. Manchmal braucht man das einfach – einen Moment, um wieder zu sich selbst zu kommen.
Genau das möchte auch Jesus im Evangelium dieses Sonntags. Er zieht sich zurück, weil er Zeit für sich braucht, nachdem ihn die Nachricht vom Tod Johannes des Täufers, eines Verwandten, erreicht hat. Doch die Menschen finden ihn trotzdem. Sie kommen mit ihren Sorgen, ihren Fragen und ihren Hoffnungen. Und Jesus reagiert nicht genervt. Er sieht die Menschen, hört ihnen zu und nimmt sich Zeit für sie.
Das ist gar nicht so weit weg von unserem Alltag. Vielleicht kennen Sie das: Endlich sitzt man mit einer Tasse Kaffee auf der Terrasse, da klingelt das Telefon. Oder man freut sich auf einen freien Nachmittag, und plötzlich braucht ein Nachbar Hilfe, die Enkel möchten spontan vorbeikommen oder jemand möchte einfach nur reden. Natürlich müssen wir nicht immer sofort alles stehen und liegen lassen. Auch Jesus zeigt uns, dass Zeiten der Ruhe wichtig sind. Aber das Evangelium erinnert uns daran, unser Herz nicht zu verschließen, wenn ein Mensch uns gerade braucht. Daher fordert Jesus seine Jünger dazu auf, „Gebt ihr ihnen zu essen!“
Die Liboriwoche hat uns wieder gezeigt, wie gut Gemeinschaft tut. Viele Menschen haben miteinander gefeiert, gebetet, gelacht und sich begegnet. Schön wäre es, wenn etwas von dieser Offenheit auch nach Libori bleibt – im Alltag, in der Nachbarschaft, in unseren Familien und in unserer Gemeinde. Oft sind es keine großen Taten, sondern kleine Gesten, die den Unterschied machen: „Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische hier,“ erwiderten die Jünger Jesu. Also, wir brauchen vielleicht „nur“ jemandem zuzuhören, Zeit zu schenken, oder einfach zu fragen: „Wie geht es dir eigentlich?“ Und dann wird Jesus, wie damals, unsere Taten vermehren.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie in diesen Sommertagen beides erleben dürfen: erholsame Momente, in denen Sie neue Kraft schöpfen, und offene Augen für die Menschen, denen Sie vielleicht genau zur richtigen Zeit begegnen. Einen gesegneten Sonntag und einen guten Ausklang der Liboriwoche!
Ihr Pastor Chinemelu Emehelu
