Mit den Sommerferien beginnt für viele Menschen eine besondere Zeit. Der Alltag tritt ein wenig in den Hintergrund und der Wecker darf öfter schweigen. Ob wir verreisen oder zu Hause bleiben – Ferien schenken uns die Möglichkeit, den Blick zu heben und einmal anders auf unser Leben zu schauen.
Jesus erzählt im Evangelium vom Weizen und vom Unkraut, die gemeinsam auf einem Feld wachsen. Die Knechte wollen sofort eingreifen und das Unkraut ausreißen. Doch der Bauer hält sie zurück. Er weiß: Wer vorschnell handelt, könnte auch den Weizen beschädigen. Wachstum braucht Zeit und Geduld.
Diese Geduld ist ein Bild für Gottes Umgang mit uns. Gott sieht nicht nur das Unfertige, nicht nur unsere Fehler und Schwächen. Er erkennt auch das Gute, das oft noch klein und unscheinbar ist. Er traut uns zu, dass etwas wachsen kann – Hoffnung, Vertrauen, Liebe, Versöhnung. Er drängt nicht und verurteilt nicht vorschnell. Er begleitet uns mit einer Geduld, die größer ist als unsere Ungeduld mit uns selbst und mit anderen.
Vielleicht sind die Ferien eine gute Gelegenheit, sich von dieser Geduld Gottes anstecken zu lassen. Nicht alles muss sofort gelingen.
Nicht jede Entscheidung muss heute getroffen werden. Manches darf reifen. Manches braucht Stille.
Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien erholsame Ferientage, Momente des Aufatmens und der Freude, Begegnungen, die guttun, und Zeiten der Stille, in denen Sie Gottes Nähe neu erfahren. Mögen Sie gestärkt zurückkehren – mit neuer Kraft für den Alltag und mit dem Vertrauen, dass Gott geduldig an Ihrer Seite bleibt und das Gute in Ihnen wachsen lässt.
Ihre Pastoralreferentin Karin Lücke
