Liebe Gemeinde,
im Evangelium von Pfingstsonntag erzählt der Evangelist Johannes, dass der auferstandene Christus mitten unter den Jüngern steht – lebendig und voller Frieden. Und er zeigt ihnen seine Hände mit den Wunden. Eigentlich überraschend: Wenn Christus den Tod besiegt hat, warum bleiben dann die Zeichen des Leidens sichtbar?
Die Auferstehung löscht die Wunden nicht aus. Sie verwandelt sie. Die Male der Nägel sind kein Zeichen der Niederlage mehr, sondern zum Zeichen der Liebe geworden. Christus kommt nicht als jemand zurück, der seine Geschichte abschüttelt. Er bleibt der, der geliebt, gelitten und sich hingegeben hat. Seine Wunden gehören zu ihm. An seinen Wunden kann man den Auferstandenen erkennen.
Das ist tröstlich für unser eigenes Leben. Auch wir tragen Wunden: Erinnerungen, Verletzungen, Schuld, Enttäuschungen. Oft wünschen wir uns, alles möge einfach verschwinden. Aber der Auferstandene zeigt: Heilung bedeutet nicht, dass nichts mehr sichtbar ist. Manchmal heißt sie, dass Schmerz und Verletzung in Gottes Licht anders getragen werden können.
Die Wunden Christi werden sogar zum Ort des Friedens. Gleich nach dem Zeigen seiner Hände sagt Jesus: „Friede sei mit euch.“ Der Friede Gottes kommt nicht an den Schmerzen vorbei, sondern mitten hindurch.
Vielleicht liegt darin die Botschaft dieses Evangeliums: Vor Gott müssen wir unsere Wunden nicht verstecken. Der Auferstandene selbst trägt sie. Und gerade daran erkennen die Jünger ihn.
Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Pfingstfest, an dem wir feiern, dass der Auferstandene uns mit unseren Lebenserfahrungen nicht allein lässt, sondern den Heiligen Geist als Begleiter sendet.
Ihr Pastoralassistent
Dennis Jandt