Skip to content
Katholische Pfarrei Heiliger Martin · Paderborn Schloß Neuhaus, Sande, Sennelager, Mastbruch · Impressum | Datenschutzerklärung 

An den Sonntagen des September hören wir Textpassagen  aus dem 18. Kapitel des Matthäus-Evangeliums. Das ganze Kapitel handelt von Vergebung und Versöhnung – Vergebung zwischen Menschen und Vergebung Gottes. Immer wieder wird von allen Seiten beleuchtet, dass niemand verloren gehen darf, weil es an Vergebung fehlt.

An diesem Sonntag geht es um den Knecht, dem verziehen wird, obwohl er seinem Herrn eine schier unvorstellbare Summe Geldes schuldig bleibt – 10.000 Talente, das entspricht etwa 200.000 Jahresgehältern eines Arbeiters – niemals bezahlbar. Der Hofstaat des Herodes hatte einen Jahres-Etat von 900 Talenten.

Wunderbar, dass diese Schuld erlassen wird. Aber der gerade so Beschenkte verhält sich unnachgiebig gegenüber dem zweiten Knecht – mit Schulden von 100 Denaren, was etwa dem Halbjahresverdienst eines landwirtschaftlichen Tagelöhners entspricht, also eine realistische Summe. Im Vergleich mit den 10.000 Talenten sind das Centbeträge.

Die Gleichnisse Jesu zielen immer darauf ab, dass sich seine Hörer damals in ihnen wiederfinden – wie wir heute. Und ich fürchte, in diesem Gleichnis soll sich ein jeder und eine jede mit dem unnachgiebigen Knecht identifizieren, der Schulderlass gern annimmt, aber selbst zur Vergebung und Versöhnung nicht bereit ist.

Doch genau dazu sind wir aufgerufen.

Jörg Zink formulierte:

Vater, ich will vergeben

Hilf mir, das nicht zum Schein zu tun

Nicht so, dass ich großmütig auf Rache verzichte

Nicht so, dass ich mattherzig vergesse

Nicht so, dass ich meine Güte damit beweise

Sondern so, dass ich zum anderen hingehe

Dorthin, wo er steht, jenseits seiner Schuld

Ich will mein Recht aufgeben

Und neu mit ihm anfangen

Ich will kein Misstrauen bewahren

Sondern alles hinter mir lassen, was mich hemmt

Und nur deine Freundlichkeit annehmen

Ich will den ersten Schritt tun

Wehrlos und ohne Vorwurf

Und keine Bitterkeit soll übrig bleiben.

(aus: Jörg Zink, Wie wir beten können, Kreuz-Verlag)

Ihr/Euer Diakon Andreas Kirchner

DIakon Andreas Kirchner
An den Anfang scrollen