Liebe Schwestern und Brüder,
der vierte Fastensonntag trägt den Namen „Laetare“ – Freue dich! Es ist ein bewusster Lichtblick mitten in der kargen Fastenzeit. Die liturgische Farbe wechselt für einen Sonntag von Violett zu Rosa, als würde das helle Osterlicht bereits durch die gedeckten Töne der Bußzeit hindurchschimmern. Doch wie lässt sich Freude heute rechtfertigen, wenn wir den Blick in die aktuellen Nachrichten richten? Der Krieg im Nahen Osten ist geprägt von ungelösten Konflikten, menschlichem Leid und einer tiefen Verunsicherung.
Der Sonntag „Laetare“ will uns gegen all das sichtbare und unsichtbare Leid und Unrecht (auf allen Seiten!) sagen: Der Hass, die Wut, das sich erheben über andere hat nicht das letzte Wort. Mitten im Fasten, mitten im Verzicht und in der Klage gibt es eine bewusste Unterbrechung. Diese „Pause der Freude“ ist kein Ignorieren der Realität, sondern ein Akt des Widerstands gegen die Hoffnungslosigkeit. Wir dürfen uns freuen, nicht weil die Welt perfekt ist, sondern weil wir darauf vertrauen, dass Gott bereits an ihrer Heilung arbeitet. In der biblischen Tradition ist die Wüste nicht nur ein Ort des Mangels, sondern auch der Ort der Gottesbegegnung. Gerade dort, wo die Erde buchstäblich ausgetrocknet und von Gewalt gezeichnet ist, braucht es die Vision von „Strömen von lebendigem Wasser mitten in der Wüste“.
Der Sonntag „Laetare“ lädt uns ein, Gott als den zu suchen, der Grenzen überschreitet und Mauern der Feindschaft einreißt. Hoffnung ist niemals billiger Optimismus oder eine christliche Durchhalteparole, sondern die feste Zusage: Gott verlässt die Leidenden nicht. Vielleicht ist die Hoffnung dieses Sonntags genau das: Ein kurzer Moment des Innehaltens und des Hoffens. Ein vertrauen in das Gute. Mit dieser Hoffnung können wir den Konflikt im Nahen Osten und an so vielen anderen Orten nicht sofort lösen, aber wir können ein Zeichen dafür setzten, dass wir an den Frieden glauben, auch wenn er noch fern scheint. Lassen wir uns diese Kraft nicht durch Angst oder Resignation rauben!
Einen gesegneten und lichtvollen „Laetare“-Sonntag wünscht Ihnen Ihr
Pfarrer Tobias Dirksmeier
