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Während die Blätter
wie im Spiel
die Bäume verlassen

unausweichlich
unwiderruflich
unaufhaltsam

senkt sich
mein Blick
auf den Seelengrund

und sammelt all die bunten
all die längst vergilbten
all die noch verbleibenden

und ich sage leise
und immer wieder
danke Gott

Wilfried Röhring

Liebe Gemeinde!

Spätestens beim Blick aus dem Fenster wissen wir – es ist Herbst. Und jedes Jahr im Herbst begehen wir den Welt-Herztag. Das ist kein Zufall. Während im Frühjahr alles in uns nach draußen drängt, wendet sich der Blick im Herbst auf unser Inneres oder Innerstes. Seit alters wird das Herz mit dem Sitz der Gefühle, der Seele und der Liebe gleichgesetzt. Als Jesus im aktuellen Sonntags-Evangelium nach dem wichtigsten Gebot gefragt wird, ist seine erste Antwort: „Du sollst den Herrn deinen Gott lieben mit ganzem Herzen.“ (Mt 22,37)

Das Herz ist ein uraltes Sinnbild für das, was den Menschen „ausmacht“: Unsere „tiefste, innere Persönlichkeit“, unsere „soziale Haltung“, unser „Sein“. So sagt der Volksmund „Er hat ein großes Herz“, oder „der bzw. die hat ihr Herz am rechten Fleck“ oder „es wird mir eng ums Herz , wenn ich das sehe“. Das Herz ist im Verständnis der Bibel ein geheimer Ort, der regelrecht erforscht werden muss. Und wer das tut, wer sich (im Herbst !) auf die Expedition zum eigenen Mittelpunkt einlässt, der kann etwas erleben, denn viel Angenehmes wie Unangenehmes sammelt sich im Laufe des Jahres in unserem Herzen an. Das wollen wir vielleicht gar nicht alles ans Licht zerren und unseren Mitmenschen zeigen.

Im Buch Samuel finden wir den Vers „Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; Gott aber sieht das Herz an“ (1.Samuel 16,7). Wir dürfen sicher davon ausgehen, dass Gott dieses Tiefste Innerste nicht egal ist. Nein, Menschen haben die Erfahrung gemacht, dass Gott sich um ihr Innerstes bekümmert, und dieses Innerste haben sie in biblischen Texten mit dem Herzen bezeichnet. Was Gott uns schenkt, ist kein versteinertes Herz, sondern ein lebendiges Herz, ein liebendes Herz, ein barm-herz-iges Herz – das sollten wir uns immer wieder selbst vor Augen führen. Und im Herzen sucht Gott den Platz in unserem Leben – eher noch als im Kopf.

Diese Zeit, die uns durch Witterung wie auch durch Corona dazu zwingt, dass wir uns mit uns selbst beschäftigen, sollten wir nutzen.

Ihr/Euer Diakon Andreas Kirchner

DIakon Andreas Kirchner
Diakon Andreas Kirchner
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