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Dank & Arbeit

Als ich das Evangelium vom 26. Sonntag im Jahreskreis las, da musste ich ehrlich schlucken. Was soll ich bloß dazu schreiben? Das Gleichnis vom reichen Mann und dem armen Lazarus! Es geht um Reichtum und Armut, um den großen und um den kleinen Besitz. Wirklich, so dachte ich, keine leichte Kost. Was soll man denn nun jemandem sagen, der z.B. Lebensmittel gedankenlos in den Mülleimer wirft? Soll man von Erfahrungen erzählen, die schon lange zurückliegen, als echtes Hungergefühl vielen Menschen nicht fremd war? Soll man den Kopf schütteln über so viel Gedankenlosigkeit oder von fehlender Ehrfurcht vor der Schöpfung reden? In allen Medien hört man unentwegt Themen, die von der Bewahrung der Schöpfung reden. Wir haben Herbst und diese Jahreszeit steht doch vor allem für die Zeit der Ernte. Vielleicht gibt es heute einige Menschen, die dieses Erntedank, welches wir ja erst in zwei Wochen feiern werden, gerne durch ein Energiedankfest ersetzen würden.

Manchmal habe ich heute das Gefühl, dass es viele Menschen gibt, die keinen Grund mehr zum Dank erkennen, keine Wertung mehr vornehmen für das, was Inbegriff des Lebens ist. All das, was uns so selbstverständlich zur Verfügung steht, das sagt uns nichts mehr. Die

Benedikt Fritz, Gemeindereferent

Benedikt Fritz, Gemeindereferent

eigentliche Armut unserer Zeit ist die, in der wir zwar alles haben, aber dennoch nicht reich sind. Ich glaube, Armut ist nämlich auch dort zu finden, wo wir nicht mehr nachdenken. In all den vielen Gaben, die wir geschenkt bekommen, ist doch immer auch der Geber zu finden, Gott selbst. Wenn wir dieses Denken aber verlieren, dann verlieren wir die Gabe, diese persönliche Zuwendung des Schenkenden zu spüren, wir fühlen uns nicht mehr wirklich beschenkt. Es stimmt schon, Menschen die alles haben, können zugleich bitter arm sein. Es ist vielleicht mehr ein Wortspiel, wenn ich nun DANKBARKEIT mit DANK-ARBEIT gleichsetzte: Arbeit als die Anstrengung des Denkens. Nur diese tiefere Einsicht macht doch wirklich reich. Menschen, die sich „nichts schenken lassen“, sind keineswegs unabhängig, sondern häufig gefangene ihres Stolzes.

Wer darüber nachdenkt, was alles im Leben geschenkt ist, der erfährt auch wieder Zuwendung, ob dieses Geschenk nun von Gott oder von Menschen kommt. Wer diese Art von Reichtum niemals spürt, bleibt immer arm.

Ihnen einen gesegneten Herbst und viel Erfolg bei aller DANK-ARBEIT, ihr Gemeindereferent Benedikt Fritz

 

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