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Was für ein unsensibler Engel! Haben Sie schon einmal am Grab eines lieben Menschen gestanden? Am Grab eines nahen Verwandten oder guten Freundes. Der Sarg ist in die Erde abgesenkt. Sie spüren den Schmerz. Sie kämpfen mit den Gefühlen. Und dann kommt jemand und fragt sie: „Warum weinst du?“.

Die meisten von uns würden sicher denken: Ich höre wohl nicht recht. Wir wären irritiert oder verärgert über eine solch unsensible Frage. Ich weine, weil ich den Menschen vermisse, der hier begraben wurde. Ich weine, weil es weh tut. Die störende und unpassende Frage wird Maria Magdalene am Grab gestellt und sie löst einen inneren Prozess in ihr aus. Zweifel und Not über den Verlust beginnen plötzlich mit der tiefen Sehnsucht in ihr zu ringen: Der Herr ist nicht tot! Wie gerne möchte sie das doch glauben! Und dann siegt die Sehnsucht, Maria wendet sich um, die Frage wird für sie zum Wendepunkt. Sie wendet sich ab vom Grab – und sieht Jesus dastehen. Der Gekreuzigte steht ihr als der Auferstandene gegenüber. Nicht die leere Grabkammer, nicht die Engel, nicht der Jünger, der schon sah und glaubte, wecken ihren Glauben. Nein, der Auferstandene, die Hoffnung auf das ewige Leben und bleibende Verbundenheit selbst spricht sie an. Angefragt – angesprochen – ausgesandt.

Tobias Dirksmeier, Pastor

Tobias Dirksmeier, Pastor

So könnten wir die österliche Erfahrung der Maria Magdalena auf den Punkt bringen. Mit einer scheinbar unsensiblen Frage hat sich für sie eine Wende vollzogen. Weg von der Angst – hin zur Hoffnung. Weg von der Trauer – hin zur bleibenden Verbundenheit. Weg vom Grab – hin zum Auferstandenen, der sie persönlich anspricht und zu seiner Zeugin und ersten Apostelin macht.

Auch mir gilt die Frage: „Warum weinst du?“ oder anders gefragt: „Wohin wendest du dich mit deiner Not?“ Eine zutiefst österliche Frage. Vielleicht nimmt mich die österliche Freude und Hoffnung mit, so dass ich mich nicht gefangen nehmen lasse vom Dunkel in mir. Vielleicht wende ich mutig meinen Blick! Die österliche Erfahrung der Maria kann zu meiner persönlichen Erfahrung werden. Dann bleibt die entscheidende Frage nach meiner Hoffnung für keinen Menschen ohne Antwort, denn meine Hoffnung wird ausstrahlen!

Im Namen aller Seelsorgerinnen und Seelsorger wünsche ich Ihnen ein gesegnetes und hoffnungsvolles Osterfest!

Ihr, Pastor Tobias Dirksmeier

 

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