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Liebe Leser und Leserinnen,

sicher haben Sie schon einmal ein Gedicht von Joachim Ringelnatz (1883-1934) gelesen. Sein eigentlicher Name lautete Hans Gustav Bötticher. 1919 verfasste er die ersten Gedichte unter dem Pseudonym Joachim Ringelnatz. Sein  Vorname Joachim wird übrigens mit seiner  lebenslangen Gläubigkeit in Verbindung gebracht (der Name bedeutet „Gott richtet auf“). Bekannt ist der Dichter  für seine humoristischen Verse, tatsächlich aber war sein künstlerisches Schaffen weitaus umfangreicher und sehr vielfältig.

In einem kleinen Gedichtband, der noch aus meiner Schulzeit stammt,  fand ich folgende Zeilen von ihm:

Ein Samenkorn lag auf dem Rücken,

die Amsel wollte es zerpicken.

Aus Mitleid hat sie es verschont

und wurde dafür reich belohnt.

Das Korn, das auf der Erde lag,

das wuchs und wuchs von Tag zu Tag.

Jetzt ist es schon ein hoher Baum

und trägt ein Nest aus weichem Flaum.

Die Amsel hat das Nest gebaut,

dort sitzt sie nun und zwitschert laut.

                                                                                             Joachim Ringelnatz

Vielleicht haben Sie  geschmunzelt, als Sie dieses Gedicht lasen. Die Amsel ist uns sympathisch und wir freuen uns mit ihr, dass sie dem kleinen Korn eine Chance gegeben hat. Wie dumm waren dagegen doch die Vögel in dem Gleichnis, das Jesus seinen Jüngern erzählte. Sie stürzten sich auf die Samenkörner und fraßen sie im Nu auf. Nun ja, sie lagen auf dem Weg und wären wahrscheinlich  nicht aufgegangen, so mag man einwenden. Vielleicht brauchten sie aber auch nur ein wenig mehr Zeit, Pflege und Aufmerksamkeit um wachsen zu können.

Angelika Schulte, Gemeindereferentin

Angelika Schulte, Gemeindereferentin

Der Samen steht im Gleichnis für das Wort Gottes, der Sämann ist Christus selbst. Er schenkt uns seine Worte, die nicht immer sofort  in unseren Herzen ankommen und Früchte tragen. Andere Dinge sind uns wichtiger und  es ist ja immer zu wenig Zeit.  Vielleicht  neigen wir auch dazu, Jesu  Worte zu „zerpicken“ und theologisieren, diskutieren und  interpretieren sie zu sehr ohne dass sie bei uns auf fruchtbaren Boden fallen.

Wie kann ich aber mein Herz öffnen für das Wort Gottes?  Nehmen wir uns  doch einmal am Tag ein paar Minuten Zeit und sprechen  ein Wort des Evangeliums, das uns anrührt und bewegt,  immer wieder leise vor uns hin. Nach einer Zeit  wird dieses  Wort verinnerlicht, es beginnt zu wirken und schenkt uns Kraft.  Diese Methode nennt sich Ruminatio und ist ein Element in der „Lectio divina“, einer Weise der Schriftbetrachtung, die dabei helfen kann, den Weg vom Wort zum Herzen zu finden. Die Sommerzeit schenkt uns sicher Augenblicke um dies einmal auszuprobieren.

 

Ihre Gemeindereferentin Angelika Schulte

 

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